Deutschland 2024: Mehr Insolvenzen, aber auch mehr Patente

Die deutsche Wirtschaftsstatistik weist für das Jahr 2024 Licht und Schatten aus. Besonders viel Bewegung in beide Richtungen ist in der Automobilbranche erkennbar.
20.03.2025von Stefanie Hütz

Mit einer Gesamtsumme von etwa 22.400 kletterte 2024 die Zahl der Firmenpleiten kräftig in die Höhe, so das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr betrug mehr als 25 Prozent. Die Zahl der Existenzgründungen legte zwar ebenfalls zu, liegt aber weit entfernt von echten Erfolgsjahren. Hoffnung im Hinblick auf die künftige Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und einen gelingenden Strukturwandel wecken die laut Deutschem Patent- und Markenamt (DPMA) gestiegenen Patentanmeldungen.

Ein Blick auf die Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland zeigt: Die Zahl der Unternehmenspleiten war schon einmal höher. 39.320 standen beispielsweise im Jahr 2003 zu Buche. Und doch kann die aktuelle Lage nicht gefallen. Heiner Röhl, Senior Economist für Mittelstands- und Regionalpolitik im IW, hält neben der 2023 eingesetzten Rezession den Energiepreisschock als Ursache für besonders relevant.

Erkennbarer Strukturwandel

Dominieren normalerweise die kleinen Unternehmen das Insolvenzgeschehen, „sehen wir jetzt vermehrt, dass große Unternehmen schließen müssen, vor allem energieintensive Firmen und zunehmend Automobilzulieferer. Der derzeitige Strukturwandel verursacht relativ große wirtschaftliche Schäden – viele Arbeitsplätze gehen verloren, und die Banken verzeichnen hohe Forderungsausfälle“, so Heiner Röhl. Der Blick nach vorn sieht aktuell noch nicht viel besser aus. Laut IW-Schätzung ist für 2025 mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen um etwa 15 Prozent zu rechnen, auch wenn die milliardenschweren Finanzpakete des Staats für Infrastruktur und Verteidigung der Wirtschaft Impulse geben könnten.

Regionale Unterschiede bei Insolvenzen

Insgesamt zählten Handel, Gastgewerbe und Verkehr sowie die wirtschaftsnahen Dienstleistungen, zu denen auch die Immobilienwirtschaft zählt, 2024 zu den stärksten betroffenen Bereichen. Regional betrachtet verzeichnete das einwohnerreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit rund 5.000 auch die meisten Unternehmenskonkurse, gefolgt von Bayern (rund 3.000) und Baden-Württemberg (knapp 2.500). Besonders kräftig fiel der Anstieg mit 38 Prozent in Niedersachsen aus, wo es 2024 annähernd 1.900 Insolvenzen gab. Den einzigen Rückgang verzeichnete laut IW der Stadtstaat Bremen mit einem Minus von zwölf Prozent.

Gründungsdefizit trotz mehr Start-ups

Die Zahl der Existenzgründungen, das meldete der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd), steigt seit 2023. Allerdings nur leicht. 2024 gingen rund 251.000 Betriebe an den Start, nach 227.000 ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: 2012 waren es mit gut 346.000 noch beinahe 100.000 Gründungen mehr. Die Gründe werden im demographischen Wandel gesehen, aber auch in Überregulierung, Infrastrukturmängeln und Fachkräfteengpässen.

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Patentanmeldungen dokumentieren Innovationsfreude

Positiv: Unternehmen aus Deutschland haben 2024 deutlich mehr Erfindungen beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet als im Vorjahr. Mit 40.064 lag die Zahl um vier Prozent höher als 2023. „Es ist ein gutes Zeichen, dass deutsche Unternehmen trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage stark in Forschung und Entwicklung investieren und auf den Schutz ihrer Innovationen setzen“, sagt DPMA-Präsidentin Eva Schewior. Aus dem Ausland gingen 19.196 Anmeldungen ein (-4,8%).

Automobilbranche stellt sich Herausforderungen

Anhand der Zahlen werden Trends deutlich. Die dominierende Branche im Patentbereich ist nach wie vor die Automobilindustrie, die sich demnach den disruptiven Veränderungen engagiert stellt. Unter den Top Ten der anmeldestärksten Unternehmen – sie reichten zusammen fast 30 Prozent aller Patentanmeldungen ein – fanden sich 2024 ausschließlich Automobilhersteller und Zulieferer. Auf Rang eins Robert Bosch vor BMW und Mercedes-Benz.

Elektromobilität statt Verbrennungsmotoren

Treibende Innovationsbereiche im anmeldestärksten Technologiefeld „Transport“ waren die Themen Elektromobilität und Infotainment im Fahrzeug. Entwickelt werden zum Beispiel neuartige Displays und Möglichkeiten, Instrumente in der Fahrerkabine über Sprache und Gesten zu steuern. Elementar für die Elektromobilität ist die Batterietechnik. Während das Technologiefeld „Elektrische Maschinen und Geräte, elektrische Energie“ mit 2.627 Anmeldungen beim DPMA boomte, ging die Innovationstätigkeit im Technologiefeld „Motoren, Pumpen, Turbinen“, wo auch die Verbrennungsmotoren eingruppiert sind, im Jahr 2024 um 5,4 Prozent zurück.

Länder-Ranking bei den Patenten

Das DPMA erstellt jedes Jahr auch ein Länder-Ranking. Baden-Württemberg lag 2024 mit 15.494 Patentanmeldungen (+5,7%) deutlich auf Rang eins, gefolgt von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Bezogen auf die Bevölkerungs- und nicht die absolute Zahl nahm Niedersachsen Rang drei ein – und stemmt sich demnach gegen die Entwicklung bei den Insolvenzen. Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen sind zudem auch die Bundesländer, in denen die großen deutschen Automobilhersteller ihren Hauptsitz haben. So schließen sich Kreise. Abschließend erwähnenswert: das Bundesland Thüringen, das sich auf Rang fünf vor allen anderen ostdeutschen Bundesländern behauptet hat.

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